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blitz-a-t 18.
Mai 2005
PARECOXIB
(DYNASTAT) IN DER SCHWEIZ AUSSER HANDEL – IN DEUTSCHLAND JEDOCH IMMER
NOCH ERHÄLTLICH
Am morgigen 19. Mai
wird Pfizer in der Schweiz das Parenteral-Coxib Parecoxib (DYNASTAT, in
der Schweiz als BEXTRA i.v./i.m. vermarktet) aus dem Handel ziehen (1).
Die Schweizerische Arzneimittelagentur Swissmedic hat das Ruhen der
Zulassung angeordnet. Parecoxib wird in der Leber rasch in den aktiven
Metaboliten Valdecoxib umgewandelt. Pfizer musste das Oral-Coxib
Valdecoxib (BEXTRA) Anfang April auf Anforderung der Behörden in den
USA, der Europäischen Union und der Schweiz wegen des Risikos schwerer
kardiovaskulärer und kutaner unerwünschter Wirkungen sowie des
mangelnden Vorteils im Vergleich zu anderen nichtsteroidalen
Antirheumatika (NSAR) vom Markt nehmen (a-t 2005; 36: 43).
Swissmedic begründet
die aktuelle Maßnahme: "Da Parecoxib in vivo schnell und nahezu
vollständig in Valdecoxib umgewandelt wird, kann nicht davon ausgegangen
werden, dass sich die Risiken der Prodrug von denjenigen des aktiven
Metaboliten Valdecoxib unterscheiden. Die erhöhten Risiken können in den
klinischen Studien auch nicht individuell der parenteralen oder oralen
Form zugewiesen werden. Zudem ist die Exposition bei der maximalen
Tagesdosis von 80 mg Parecoxib im Vergleich mit 40 mg Valdecoxib doppelt
so hoch. Der potenzielle Nutzen der parenteralen galenischen Form
rechtfertigt nicht das potenzielle Risiko in Form von schweren
kardiovaskulären und kutanen unerwünschten Wirkungen in Kauf zu nehmen"
(2).
Pfizer/Schweiz erklärt sich mit dieser Beurteilung von Swissmedic nicht
einverstanden (1). Pfizer/Deutschland sieht auf Anfrage keine
Veranlassung zur Marktrücknahme von Valdecoxib (DYNASTAT) in
Deutschland.
Wir erachten das
Ruhen der Zulassung als logische und konsequente Maßnahme zur
Risikoabwehr. Der Sulfonamidabkömmling Valdecoxib scheint ein besonderes
Risiko lebensbedrohlicher Hautschäden zu besitzen (a-t 2005; 36:
15-6). Die für Parecoxib ausgewiesene Indikation "postoperative
Schmerzstillung" erachteten wir bereits bei der Markteinführung 2002 als
Gegenanzeige, da Coxibe - wie die übrigen NSAR - die Autoregulation der
Nierendurchblutung verringern und damit insbesondere an den ersten Tagen
nach einer Operation akutes Nierenversagen auslösen können (a-t 2002;
33: 62-3). Opioide sind als nierenverträglichere Mittel für die
postoperative Schmerzversorgung geeigneter.
1 Pfizer AG Zürich, Schreiben an die
Fachkreise vom 17. Mai 2005
2 Swissmedic Aktuell: Mitteilung vom
18. Mai 2005
http://www.swissmedic.ch/cgi/printable_version/index.asp
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April 2005
ANTIEPILEPTIKUM
OXCARBAZEPIN (TRILEPTAL):
WARNUNG VOR SCHWEREN HAUT- UND HYPERSENSITIVITÄTSREAKTIONEN
Die Firma Novartis
warnt soeben in den USA mit einem Dear-Doctor-Letter vor
lebensbedrohlichen Hautschäden und anderen
Überempfindlichkeitsreaktionen unter Oxcarbazepin (TIMOX, TRILEPTAL; a-t
2000; 31: 43). Das Antiepileptikum dient zur Behandlung fokaler Anfälle
bei Kindern und Erwachsenen. Lebensbedrohliche und tödliche Hautschäden
wie STEVENS-JOHNSON-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse (LYELL-Syndrom)
sind im Median 19 Tage nach Therapiebeginn aufgetreten. Die
Berichtshäufigkeit überschreitet - ohne Berücksichtigung einer
Dunkelziffer - die allgemeine Häufigkeit um das Drei- bis Zehnfache. Das
"Grundrauschen" der schweren Hautschäden wird auf 0,5 bis 6 Ereignisse
pro 1 Million Personenjahre geschätzt (1,2).
Neu ist auch die
Warnung vor einem Hypersensitivitätssyndrom. Die immunogene Schädigung
setzt in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme ein (nach 4 bis
60 Tagen, im Median 13 Tagen). Das Syndrom äußert sich typischerweise -
jedoch nicht ausschließlich - durch Fieber und Hautausschlag in
Verbindung mit Erkrankungen anderer Organsysteme wie Eosinophilie,
Thrombozytopenie und Neutropenie, Lymphadenopathie, auffälligen
Leberfunktionstests und Hepatitis, Nierenbeteiligung einschließlich
Nephritis, Oligurie und hepatorenalem Syndrom sowie Arthralgie und
Schwäche. Auch andere Organe können betroffen sein (vgl. a-t 1992; Nr.
11: 111-3) (1,2).
Sobald
Hautreaktionen oder Beschwerden auftreten, die auf ein
Hypersensitivitätssyndrom hindeuten, ist Oxcarbazepin abzusetzen und auf
ein anderes Antiepileptikum umzustellen (1,2).
Das erst im Jahr
2000 eingeführte Oxcarbazepin ist eine Molekülvariante von Carbamazepin
(TEGRETAL u.a.), für das lebensbedrohliche Hautschäden wie LYELL-Syndrom
(a-t 1992; Nr. 3: 32) und auch ein Hypersensitivitätssyndrom ("Carbamazepin-Krankheit")
(4) schon lange bekannt sind. In Bezug auf Überempfindlichkeiten wird
von einer Kreuzreaktionsrate von 25% bis 30% ausgegangen (3).
Auch in Europa
sollen die in den Fachinformationen der Oxcarbazepin-Präparate
deklarierten Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen erweitert werden. Eine
Entscheidung der europäischen Behörde EMEA hierzu steht jedoch noch aus.
1 Novartis Corp. (USA),
Dear Healthcare Provider Letter vom 18. April 2005
http://www.fda.gov/medwatch/SAFETY/2005/trileptal_hcp.pdf
2 Novartis Corp.
TRILEPTAL, Revised Label, March 2005
http://www.fda.gov/medwatch/SAFETY/2005/trileptal.pdf
3 Novartis Pharma: Fachinformation
TRILEPTAL, Stand Okt. 2002
4 BORK, K.:
"Arzneimittelnebenwirkungen an der Haut", Schattauer, 2. Aufl. 1999:
Seite 43-5
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15. April
2005
ERHÖHTE
STERBLICHKEIT UNTER "ATYPISCHEN" NEUROLEPTIKA BEI DEMENZ
Die US-amerikanische
Arzneimittelbehörde FDA warnt vor einer erhöhten Sterblichkeit älterer
dementer Patienten, die wegen Verhaltensstörungen oder psychotischen
Symptomen "atypische" Neuroleptika einnehmen. In 17
plazebokontrollierten, durchschnittlich zehnwöchigen Studien mit 5.106
Demenzkranken, die Risperidon (RISPERDAL), Olanzapin (ZYPREXA),
Aripiprazol (ABILIFY) oder Quetiapin (SEROQUEL) erhalten,
steigt das Risiko gegenüber Plazebo konsistent auf das 1,6- bis
1,7fache. Die Sterblichkeit unter "atypischen" Neuroleptika liegt bei
4,5% gegenüber 2,6% unter Plazebo. Unter den Todesursachen dominieren
kardiale Komplikationen wie plötzlicher Herztod und Infektionen wie
Pneumonie. Die Konsistenz der Ergebnisse bei den vier untersuchten
"atypischen" Neuroleptika stützt nach Ansicht der FDA die
Übertragbarkeit auf alle Mittel dieser Gruppe, einschließlich
Clozapin (LEPONEX u.a.) und Ziprasidon (ZELDOX). Begonnene
Behandlungen mit "atypischen" Neuroleptika bei dieser Indikation sollen
überprüft werden. Begrenzte, noch nicht vollständig ausgewertete Daten
weisen auf einen ähnlichen Anstieg der Sterblichkeit Demenzkranker unter
älteren Neuroleptika hin (1-3).
Von der Einnahme von
Olanzapin in dieser Indikation raten wir wegen der auch nach
Firmenangaben nicht belegten Wirksamkeit (4) und des erhöhten
Schlaganfallrisikos seit längerem ab (a-t 2004; 35: 36). Zu
Aripiprazol, Clozapin und Ziprasidon finden wir keine randomisierten
kontrollierten Studien, die die Wirksamkeit bei diesen Patienten
belegen. In einer aktuell publizierten kleinen Studie mit Quetiapin
bleibt ein Nutzen aus (5).
Risperidon,
das bei Demenz ebenfalls mit erhöhtem Schlaganfallrisiko einhergeht (a-t
2002; 33: 130), führt nur in zwei von drei veröffentlichten
plazebokontrollierten Studien zu signifikanter Verbesserung in den
primär ausgewerteten neuropsychiatrischen Tests, wobei insbesondere
Aggressivität beeinflusst wird (6-8). Die Beurteilbarkeit wird jedoch
dadurch eingeschränkt, dass drei weitere plazebokontrollierte Studien
nicht veröffentlicht sind (9). Klassische Neuroleptika wie
Haloperidol (HALDOL u.a.) haben nach zwei neueren Metaanalysen nur
einen mäßigen Nutzen bei Demenz (10,11), der sich in Studien mit
Haloperidol auf Dämpfung der Aggressivität zu beschränken scheint (10).
Wesentliche Unterschiede zwischen den verschiedenen konventionellen
Neuroleptika lassen sich nicht erkennen (11). Auch ein Wirkvorteil von
Risperidon gegenüber Haloperidol ist nicht belegt (12). Der hohe
Plazeboeffekt von zum Beispiel 70% in den Studien weist auf die hohe
Spontanbesserungsrate sowie auf die Bedeutung nichtmedikamentöser
Interventionen wie vermehrte Zuwendung hin (12,13).
Für weitere
im klinischen Alltag bei dieser Indikation ebenfalls
verwendete Arzneimittel ist kein überzeugender Nutzen belegt. Ein
systematisches Review zur Pharmakotherapie neuropsychiatrischer Symptome
bei Demenz findet weder zu Serotonin-Wiederaufnahmehemmern noch für
Valproinsäure (ERGENYL u.a.), Carbamazepin (TEGRETAL u.a.) oder
Benzodiazepine ausreichende Nutzennachweise (14). Mit unerwünschten
Effekten wie paradoxen Reaktionen unter Benzodiazepinen ist aber zu
rechnen (14). In Studien mit Antidementiva wie Cholinesterasehemmern
wird überwiegend der Einfluss auf kognitive Parameter geprüft. Der
geringfügige Vorteil in Tests zur neuropsychiatrischen Symptomatik wird
als klinisch irrelevant eingestuft (14). Wesentliche Endpunkte wie
Lebensqualität oder Heimeinweisung werden durch diese Mittel offenbar
nicht beeinflusst (a-t 2005; 36: 31).
Die neuen
Warnungen vor "atypischen" Neuroleptika bei Demenz unterstreichen die
Notwendigkeit, die unkritische Anwendung dieser Mittel bei
Pflegeheimbewohnern mit Demenz (15-17) einzuschränken. Die Indikation
für eine Neuroleptikatherapie bei diesen Patienten ist streng zu
stellen. Sie soll nur in Betracht gezogen werden, wenn
nichtmedikamentöse Maßnahmen versagt haben oder ungeeignet sind und nur
bei schwerer psychotischer Symptomatik oder Aggressivität, wenn sie mit
Selbst- oder Fremdgefährdung einhergehen. Bei individueller
Nutzen-Risiko-Abwägung kommen unseres Erachtens unter den Neuroleptika
derzeit nach wie vor am ehesten klassische, möglichst wenig
anticholinerg wirkende Mittel wie Haloperidol, Melperon (EUNERPAN u.a.)
oder Pipamperon (DIPIPERON u.a.) in Betracht. Die Mittel sollen so
niedrig dosiert werden wie möglich und nur kurzfristig mit regelmäßigen
Absetzversuchen verordnet werden.
1 FDA Talk Paper vom
11. Apr. 2005,
http://www.fda.gov/bbs/topics/ANSWERS/2005/ANS01350.html
2 FDA Public Health
Advisory vom 11. Apr.
2005,
http://www.fda.gov/cder/drug/advisory/antipsychotics.htm
3 FDA Alert for Healthcare
Professionals vom 11. Apr. 2005,
http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/olanzapine_fluoxetineHCP.pdf
4 Lilly: Rote-Hand-Brief zu ZYPREXA
vom 8. März 2004
5 BALLARD, C. et al.: BMJ
2005; 330: 874
6 BRODATY, H. et al.: J.
Clin. Psychiatr. 2003; 34:
134-43
blitz-a-t
7. April 2005
COX-2-HEMMER VALDECOXIB (BEXTRA) VOM MARKT
Die
Beratungen in der FDA vom Februar 2005 zu Nutzen und Schaden von
Cox-2-Hemmern (a-t 2005; 36: 25-6) münden jetzt in Maßnahmen: Die
US-amerikanische Arzneimittelbehörde hat Pfizer, den Hersteller von
Valdecoxib (BEXTRA) aufgefordert, den Cox-2-Hemmer "freiwillig" vom
Markt zu nehmen. Pfizer/USA hat der Aufforderung bereits zugestimmt.
Auch in Deutschland ist ein Rückruf von BEXTRA und ein entsprechender
Rote-Hand-Brief vorgesehen. Die Maßnahme beruht auf folgender Bewertung
(1):
1. Die
kardiovaskuläre Sicherheit ist für die Langzeitanwendung von Valdecoxib
unzureichend belegt. In Kurzzeitstudien ist jedoch ein Risiko
kardiovaskulärer Komplikationen bei Patienten nach Bypass-Operationen
deutlich geworden (1) (a-t 2005; 36: 25-6; relatives Risiko 3,7). Die
FDA geht davon aus, dass dies bei der chronischen Anwendung von
Bedeutung sein kann.
2. Unter
Valdecoxib sind schwere und lebensbedrohliche Hautreaktionen
beschrieben, auch Todesfälle. Die Gefährdung durch Hautschäden lässt
sich für einzelne Patienten nicht vorhersehen. Die Schädigung ist bei
Patienten mit und ohne Sulfonamid-Allergie in der Vorgeschichte und nach
Kurz- und Langzeitanwendung aufgetreten (1). Das Risiko einer
Hautschädigung durch Valdecoxib scheint besonders auffällig zu sein (a-t
2005; 36: 15-6).
3.
Irgendein Vorteil von Valdecoxib im Vergleich zu anderen
nichtsteroidalen Antirheumatika ist nicht belegt (1).
In den USA
ist jetzt nur noch Celecoxib (CELEBREX) als Cox-2-Hemmer im Handel.
Wegen der insgesamt negativen Nutzen-Schaden-Bilanz forderten wir
wiederholt die Marktrücknahme aller erhältlichen Cox-2-Hemmer, vorrangig
auch des besonders schlecht verträglichen Etoricoxib (ARCOXIA; vgl. a-t
2005; 36: 22).
1 FDA Public Health
Advisory vom 7. April 2005
http://www.fda.gov/cder/drug/advisory/COX2.htm
Redaktion
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blitz-a-t 23. Februar 2005
CICLESONID (ALVESCO): NEUES INHALATIVES STEROID OHNE
GESICHERTE VORTEILE
BEI ASTHMA
Seit Anfang Februar wird mit Ciclesonid (ALVESCO) ein neues Kortikoid
zur Inhalation bei persistierendem Asthma Erwachsener angeboten. Wegen
zahlreicher Anfragen versenden wir diese Kurzbewertung als blitz-a-t.
Die Werbung verspricht: "In der Lunge aktiviert - auf die Lunge
konzentriert" (1). Das Prodrug Ciclesonid soll erst in der Lunge durch
enzymatischen Umbau in den wirksamen Metaboliten umgewandelt werden ("on
site-Aktivierung" (1)). Dadurch sollen lokale und systemische
Stoerwirkungen, die auch unter inhalativen Kortikoiden beobachtet
werden, vermieden werden (2). Ob das Konzept funktioniert, ist jedoch
nicht belegt. Unerwuenschte Wirkungen koennen auch durch Verteilung des
aktiven Metaboliten im Koerper hervorgerufen werden. Dessen systemische
Bioverfuegbarkeit nach Inhalation betraegt mehr als 50% (3).
Die publizierte Studienlage ist miserabel: Von den dreimonatigen
Therapiestudien, in denen das Mittel mit Plazebo, Budesonid (PULMICORT
u.a.) und Fluticason (FLUTIDE u.a.) verglichen wird (4-6), ist nur eine
vollstaendig veroeffentlicht (4). Diese plazebokontrollierte Studie
sowie die in Uebersichten referierten fragmentarischen Daten lassen
darauf schliessen, dass Ciclesonid in Dosierungen von taeglich 0,08 mg
bis 0,64 mg Lungenfunktion und Asthmasymptome besser beeinflusst als ein
Scheinmedikament (4-6). 0,08 mg bis 0,32 mg Ciclesonid sollen die
Beschwerden etwa gleich gut lindern wie 0,4 mg Budesonid (5,6) oder
0,176 mg Fluticason (6).
Ob Ciclesonid tatsaechlich vertraeglicher ist als andere inhalative
Steroide, laesst sich aus den veroeffentlichten klinischen Daten nicht
ableiten. Als haeufige unerwuenschte Wirkung (ueber 1%) wird in der
Fachinformation paradoxer Bronchospasmus angegeben, gelegentlich (0,1%
bis 1%) treten Heiserkeit, Husten und andere lokale Reaktionen im Mund-
und Rachenbereich auf (3).
Nach unveroeffentlichten Daten soll Ciclesonid im direkten Vergleich die
koerpereigene Kortisolproduktion weniger stark beeinflussen als
Fluticason und Budesonid (5,6). Die klinische Relevanz dieses Befundes
ist jedoch unklar. Linsentruebungen, die bei einigen Patienten in einer
Phase-III-Studie auffallen, weisen auf systemische Effekte von
Ciclesonid hin. Das Auftreten von Linsentruebungen wird derzeit in einer
Sicherheitsstudie ueberprueft (7). In der Fachinformation finden sich
Warnhinweise auf moegliche systemische Effekte wie bei anderen
inhalativen Kortikoiden (3).
In der empfohlenen Dosierung von 0,16 mg Ciclesonid taeglich kostet das
neue Asthmamittel ALVESCO (120 Hub zu 0,16 mg 67,15 Euro) monatlich mit
16,79 Euro rund 2,5-mal so viel wie taeglich 0,4 mg Budesonid mit 6,55
Euro (BUDES N Dosieraerosol, 600 Hub zu 0,2 mg 65,45 Euro). Das
Pulverinhalat des Budesonid-Originals (PULMICORT TURBOHALER, 200 Plv. zu
0,2 mg 58,99 Euro) liegt bei einer Tagesdosierung von 0,4 mg mit 17,70
Euro im Preisbereich von Ciclesonid.
FAZIT: Die Wirksamkeit des neuen Asthmamittels Ciclesonid (ALVESCO) ist
insbesondere im Vergleich zu Standardkortikoiden zur Inhalation
mangelhaft dokumentiert. Die angeblich bessere Vertraeglichkeit laesst
sich mit den bisher veroeffentlichten klinischen Daten nicht belegen.
Wir sehen nach derzeitigem Kenntnisstand keine Vorteile fuer das neue
inhalative Kortikoid.
1 Altana: Werbung in Aerzte Ztg. vom 7. Febr. 2005
2 Aerzte Ztg. vom 19. Maerz 2004
3 Altana: Fachinformation ALVESCO, Stand Jan. 2005
4 CHAPMAN, K.R. et al.: Allergy 2005; 60: 330-7
5 REYNOLDS, N.A., SCOTT, L.J.: Drugs 2004; 64: 511-9
6 HUMBERT, M: Expert Opin. Investig. Drugs 2004; 13: 1349-60
7 Scrip 2004; Nr. 2915: 25
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blitz-a-t 16. Februar 2005
UNTER KREBSVERDACHT: NEURODERMITIS-MITTEL PIMECROLIMUS
(DOUGLAN, ELIDEL)
UND TACROLIMUS (PROTOPIC)
Die US-amerikanische Arzneimittelbehoerde FDA erwaegt, kuenftig mit
einem besonders hervorgehobenen Warnhinweis ("black box") auf ein
moegliches Krebsrisiko der bei atopischer Dermatitis verwendeten Externa
Pimecrolimus (DOUGLAN, ELIDEL; a-t 2004; 35: 42-3) und Tacrolimus
(PROTOPIC; a-t 2002; 33: 50-1) aufmerksam zu machen. Hintergrund sind
eine steigende Zahl von Berichten ueber Krebs in Verbindung mit den
beiden Immunsuppressiva sowie neue tierexperimentelle Daten (1). Derzeit
liegen der Behoerde 19 Meldungen zu Krebs unter oertlicher Anwendung von
Tacrolimus vor sowie 10 entsprechende Berichte zu Pimecrolimus, darunter
Lymphome und Hauttumoren (2,3).
Bei oraler oder parenteraler Anwendung von Immunsuppressiva
einschliesslich dem in der Transplantationsmedizin verwendeten
Tacrolimus (PROGRAF) ist eine erhoehte Rate von Krebserkrankungen
bekannt, vor allem von Lymphomen. Pimecrolimus ist bislang
ausschliesslich als Externum erhaeltlich. Unter einer derzeit erprobten
oralen Zubereitung werden jedoch im Tierversuch ebenfalls Lymphome
beobachtet, und zwar unter allen geprueften Dosierungen. Eine Dosis, bei
der kein Effekt auftritt (no effect level), laesst sich nicht angeben.
Mitarbeiter der FDA beurteilen die immunsuppressiven Effekte beider
Externa bei Tieren, die sich vorzugsweise im Auftreten von Lymphomen
manifestieren, als ueberzeugend und gleichsinnig ("strong, consistent
and compelling"). Die Lymphomentwicklung steigt nach den
tierexperimentellen Daten mit der kumulativen Dosis. Obwohl ein
definitiver Beweis einer Kanzerogenitaet auch fuer den Menschen bislang
aussteht, haelt die FDA einen deutlichen Warnhinweis im Sinne des
vorbeugenden Verbraucherschutzes fuer geboten (1).
Sowohl Pimecrolimus als auch Tacrolimus haben in den USA lediglich
Reservestatus. Steigende Verordnungszahlen insgesamt und zunehmender
Gebrauch bei Kindern einschliesslich Kleinkindern unter zwei Jahren,
fuer die die beiden Immunmodulatoren nicht zugelassen sind, weisen
jedoch auf eine wesentlich breitere Verwendung hin. Dies wird von der
FDA auf aggressive Vermarktung zurueckgefuehrt. Das moegliche
Krebsrisiko gefaehrdet aber vor allem Kinder, bei denen nach oertlicher
Anwendung der Immunsuppressiva haeufiger messbare Blutspiegel gefunden
werden als bei Erwachsenen.
Hierzulande darf Pimecrolimus ohne Einschraenkung bei Kindern ab zwei
Jahren verwendet werden, waehrend Tacrolimus wie in den USA lediglich
als Reservemittel bei ungenuegender Wirksamkeit oder Unvertraeglichkeit
herkoemmlicher Mittel zur Kurzzeit- und intermittierenden
Langzeitbehandlung zugelassen ist. Vor allem Pimecrolimus wird entgegen
den Vorgaben des Heilmittelwerbegesetzes immer wieder direkt bei Laien
beworben (a-t 2004; 35: 91-2) oder die Anwendung auf herstellernahen
Veranstaltungen beispielsweise bereits bei Kindern in den ersten sechs
Lebensmonaten nahegelegt (4). Wir fordern Reservestatus fuer beide
Immunmodulatoren, Beschraenkung auf ausschliesslich kurzfristige
Anwendung sowie einen deutlichen Warnhinweis auf das moegliche
Krebsrisiko. Ein Verbot des Gebrauchs bei Kindern ist zu erwaegen, -Red.
1 TEMECK, J., Division of Pediatric Drug Development:
http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/05/briefing/2005-4089b2_01_02_DPDD%20Consult.pdf
2 FDA: Alert for Healthcare Professionals zu Pimecrolimus vom 14.
Febr. 2005, zu finden unter:
http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/ElidelHCP.pdf
3 FDA: Alert for Healthcare Professionals zu Tacrolimus vom 14. Febr.
2005, zu finden unter:
http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/ProtopicHCP.pdf
4 KOELLGES, R.: zit. nach Aerzte Ztg. vom 29. Jan. 2004
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blitz-a-t 8. Februar 2005
ROTE-HAND-BRIEF FEHLT:
HEPATITIS, RHABDOMYOLYSE U.A. UNTER LIPIDSENKER EZETIMIB (EZETROL, IN
INEGY)
Die kanadische Gesundheitsbehoerde und Merck Frosst/Schering (Kanada)
warnen in einem Dear Doctor Letter vor neu erkannten Nebenwirkungen des
Lipidsenkers Ezetimib (EZETROL, in INEGY; a-t 2002; 33: 110-1 und 2004;
35: 46-7). Allein oder in Kombination mit einem Statin sind
Rhabdomyolyse (meist bei Absetzen reversibel), Hepatitis, akute
Pankreatitis (bei akuten Abdominalschmerzen an diese Diagnose denken)
und Thrombozytopenie beschrieben. Zudem gibt es Hinweise auf Interaktion
mit dem oralen Antikoagulans Warfarin (COUMADIN) mit der Folge von
Blutungen (1).
Mit Ausnahme der Pankreatitis fehlen entsprechende Angaben in der
deutschen Fachinformation (2). Von MSD Deutschland ist derzeit kein
entsprechender Rote-Hand-Brief in Sicht.
1 Health Canada, Merck Frosst/Schering Pharmaceuticals:
Aerzteanschreiben vom 1. Febr. 2005;
http://www.hc-sc.gc.ca/hpfb-dgpsa/tpd-dpt/ezetrol_hpc_e.html
2 MSD: Fachinformation EZETROL 10 mg Tabletten, Stand Juli 2004
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blitz-a-t 8. Februar 2005
ETORICOXIB (ARCOXIA) BESONDERS SCHLECHT VERTRAEGLICH -
WARUM DER COX-2-HEMMER IN DEN USA BISLANG NICHT ZUGELASSEN IST
"Vorteilhaftes gastrointestinales und kardiovaskulaeres
Vertraeglichkeitsprofil" - so bewarb die Firma MSD den Cox-2-Hemmer
Etoricoxib (ARCOXIA) (1), nachdem sie Rofecoxib (VIOXX) wegen Herz- und
Kreislaufschaeden vom Markt genommen hatte (a-t 2004; 35: 116). Nach
bislang unveroeffentlichten Daten sollen kardiovaskulaere Ereignisse
unter Etoricoxib jedoch doppelt so haeufig vorkommen wie unter
Diclofenac (VOLTAREN u.a.; a-t 2005; 36: 15-6).
Gutachter der amerikanischen Arzneimittelbehoerde FDA folgern jetzt aus
den vorliegenden Vergleichsstudien (mehr als 6.000 Patientenjahre) mit
Plazebo, Naproxen (PROXEN u.a.) und anderen nichtsteroidalen
Entzuendungshemmern, dass Etoricoxib bezueglich Todesfaellen und
schwerer kardiovaskulaerer Ereignisse "schlechter abzuschneiden scheint
als alle Vergleichsmittel" (2,3). Die Gesamtmortalitaet ist unter
Etoricoxib numerisch am hoechsten (0,49/100 Patientenjahre). Die
Mortalitaetsrate unter Naproxen (0,29) entspricht Plazebo (0,30), die
von Nicht-Naproxen-NSAR liegt bei 0,40. Es faellt auf, dass
kardiovaskulaere Todesfaelle unter Etoricoxib zum Teil bereits nach
kurzer Anwendungszeit aufgetreten sind (z.B. nach 19, 38 oder 97 Tagen),
die beiden Diclofenac-bezogenen Todesfaelle dagegen erst nach mehr als
drei Jahren. Die Zahl kardiovaskulaerer Ereignisse steigt unter
Etoricoxib gegenueber Plazebo bereits innerhalb von zwoelf Wochen an.
Die Gutachter interpretieren die Datenlage als Signal fuer
kardiovaskulaere Toxizitaet (2).
Der moegliche Vorteil von Etoricoxib hinsichtlich der
Magen-Darm-Vertraeglichkeit wird als "marginal" eingestuft (2).
In den USA ist Etoricoxib nach wie vor nicht zugelassen. Die
US-amerikanische Verbraucherschutzgruppe Public Citizen fordert - wie
auch wir - wegen negativer Nutzen-Schaden-Bilanz die Marktruecknahme
aller erhaeltlichen Cox-2-Hemmer (4).
1 MSD: ARCOXIA aktuell 09/2004, Beilage DMW 2004;
129, Nr. 41
2 Arthritis & Drug Safety and Risk Management Advisory Committee
Briefing Package, Febr. 16, 17 and 18, 2005; ARCOXIA, Safety Review of
Safety and GI;
zu finden unter:
http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/05/briefing/2005-4090b1-01.htm,
dort
bei "TabT Original NDA Review"
3 RICHWINE, L.: Reuters 4. Febr. 2005
4 Public Citizen, Petition vom 24. Jan. 2005;
http://www.citizen.org/publications/release.cfm?ID=7358&secID=1678&catID=126
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blitz-a-t 21. Dezember 2004
NAPROXEN (PROXEN U.A.) AUCH KARDIOTOXISCH?
In einer aktuellen Stellungnahme (1) weist die US-amerikanische
Arzneimittelbehoerde FDA darauf hin, dass nach vorlaeufigen Daten aus
einer abgebrochenen Studie, in der die nichtsteroidalen Antirheumatika
Naproxen (PROXEN u.a.) und Celecoxib (CELEBREX) bei 2.500 Patienten mit
erhoehtem Risiko fuer Alzheimer-Demenz gegen Plazebo geprueft wurden,
kardiale Ereignisse oder Schlaganfaelle unter Naproxen etwa 1,5 mal so
haeufig vorkommen wie unter Scheinmedikament (2).
Die Meldung ueberrascht, da Naproxen verschiedentlich kardioprotektive
Eigenschaften zugeschrieben wurden. Unter anderem wurde das erhoehte
Risiko von Rofecoxib (VIOXX) in der VIGOR-Studie - faelschlicherweise -
auf die angeblich protektiven Eigenschaften des Vergleichpraeparates
Naproxen zurueckgefuehrt (a-t 2001; 32: 102-3). Bevor aus den aktuellen
Daten Rueckschluesse auf Therapieentscheidungen abgeleitet werden, sind
Details abzuwarten. Angesichts der Diskussion um die Risiken der
Cox-2-Hemmer erachten wir diese Mitteilung dennoch fuer relevant.
Redaktion arznei-telegramm
1 US-amerikanische Arzneimittelbehoerde (FDA);
http://www.fda.gov/bbs/topics/news/2004/NEW01148.html
2 CNN:
http://www.cnn.com/2004/HEALTH/12/20/study.halted.ap/index.html
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blitz-a-t 18. Dezember 2004
DAS AUS FUER COX-2-HEMMER -
JETZT AUCH STUDIE MIT CELECOXIB (CELEBREX) GESTOPPT
CAVE KARDIOVASKULAERES RISIKO DER COXIBE
Die Bilder gleichen sich. Soeben wird - wenige Monate vor Abschluss -
die auf drei Jahre angelegte plazebokontrollierte APC (Adenoma
Prevention with Celecoxib)-Studie mit rund 2.000 Patienten gestoppt,
weil die Haeufigkeit kardiovaskulaerer Ereignisse unter Celecoxib
(CELEBREX) signifikant zunimmt (1). Mit der APC-Studie sollte geprueft
werden, ob der Cox-2-Hemmer zur Vorbeugung von Kolonpolypen wirksam ist.
Erst im September war fuer MSD die Verdoppelung des kardiovaskulaeren
Risikos in einer entsprechenden Studie Anlass, Rofecoxib (VIOXX) vom
Markt zu nehmen (a-t 2004; 35: 117-8). Eine Marktruecknahme von
Celecoxib ist offensichtlich noch nicht erfolgt, obwohl die
Herz-Kreislauf-Gefaehrdung (kombinierter Endpunkt: kardiovaskulaerer
Tod, akuter Herzinfarkt und Schlaganfall) in APC deutlich ist:
Plazebo: 6 Herz-Kreislauf (HK)-Ereignisse
Celecoxib, 2 x tgl. 200 mg: 15 HK-Ereignisse (2,5faches Risiko
gegenueber Plazebo)
Celecoxib, 2 x tgl. 400 mg: 20 HK-Ereignisse (3,4faches Risiko
gegenueber Plazebo).
Zwei weitere Studien mit Celecoxib (Prevention of Spontaneous
Adenomatous Polyps Trial und Alzheimer's Disease Anti-inflammatory
Prevention Trial), die in Groesse und Dauer mit der APC-Studie
vergleichbar sind, laufen weiter, weil bei diesen kein erhoehtes
kardiovaskulaeres Risiko aufgefallen sein soll (1).
Bereits die im Jahr 2000 veroeffentlichte CLASS-Studie (Celecoxib
Long-term Arthritis Safety Study) gibt Hinweise auf eine thrombogene
Wirkung von Celecoxib. Aufgrund des Wirkmechanismus ist hinsichtlich der
kardiovaskulaeren Schaedlichkeit von einem Gruppeneffekt der Coxibe
auszugehen. Wir haben aufgrund der Sicherheitsbedenken und fehlender
Vorteile generell von der Verwendung von Cox-2-Hemmern abgeraten (z.B.
a-t 2004; 35: 125-6). Auch die Autoren eines im Internet
vorveroeffentlichten Leserbriefes im New England Journal of Medicine
empfehlen jetzt Aerzten, den ebenfalls von Pfizer vertriebenen
Cox-2-Hemmer Valdecoxib (BEXTRA) zum "Schutz der Allgemeinheit" nicht
mehr zu verordnen (3). Nach einer bislang unveroeffentlichten
Metaanalyse soll auch Valdecoxib das Risiko von Herzinfarkten und
Schlaganfaellen verdoppeln. Der Cox-2-Hemmer wird daher als "Zeitbombe"
bezeichnet (a-t 2004; 35; 142). Hinzu kommt, dass Abkoemmlinge wie
Celecoxib, Parecoxib (DYNASTAT) und Valdecoxib wegen ihrer
Sulfonamidstruktur ein zusaetzliches Risiko lebensbedrohlicher
Hautreaktionen bergen, Valdecoxib moeglicherweise staerker als die
anderen Coxibe (4).
Spaetestens seit Mitte der 90er Jahre ist Firmenmitarbeitern von Merck &
Co. (MSD) ein kardiovaskulaeres Risikopotenzial von Cox-2-Hemmern
bekannt. Es hat aber fast ein Jahrzehnt gedauert, bis die Erkenntnisse
umgesetzt wurden und Rofecoxib vom Markt genommen wurde. Weitere
Verzoegerungen von Risikomassnahmen fuer Coxibe sind unter dem
Gesichtspunkt des vorbeugenden Verbraucherschutzes nicht mehr
akzeptabel. Schliesslich ist das Schaedigungspotenzial zu eindeutig und
zudem fuer verschiedene Cox-2-Hemmer nahezu identisch. Aus den
bisherigen Erfahrungen ist abzuleiten, dass Warnungen sowie Korrekturen
an Produktinformationen durch das Marketing unterlaufen werden koennen
und die Verordnungen nicht relevant beeinflussen. Die Marktruecknahme
von Celecoxib und den uebrigen Cox-2-Hemmern erscheint ueberfaellig.
1 FDA Statement on Halting of a Clinical Trial of
the Cox-2 Inhibitor
Celebrex, December 17, 2004;
http://www.fda.gov/bbs/topics/news/2004/NEW01144.html
2 FDA Alert for Practitioners Celebrex (celecoxib), 12/17/04,
http://www.fda.gov/cder/drug/infopage/celebrex/celebrex-hcp.pdf
3 RAY, W.A. et al.: N. Engl. J. Med. 2004; 351: 2767
(Erscheinungsdatum 23. Dez. 2004, vorveroeffentlicht unter
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/NEJMc045711)
4 Scrip 2004; Nr. 3004: 24
ALTERNATIVEN FUER COX-2-HEMMER: Die Europaeische Arzneimittelbehoerde
EMEA stuft das Risiko schwerer gastrointestinaler Schaeden
(Perforationen, Ulzera, Blutungen) von Coxiben und nichtsteroidalen
Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac (VOLTAREN u.a.) und Ibuprofen
(BRUFEN u.a.) als "vergleichbar" ein (1). Aufgrund des hohen
Bewaehrungsgrades empfiehlt sich die Rueckumstellung auf solche NSAR, so
kurz und so niedrig dosiert wie moeglich. Bei Arthroseschmerzen soll
vorrangig Parazetamol (BENURON u.a.) versucht werden. Parazetamol plus
Kodein (in TALVOSILEN FORTE u.a.) beziehungsweise andere
Opioidanalgetika kommen aber auch bei diesen Patienten sowie bei
rheumatoider Arthritis als Alternative zu NSAR in Betracht (a-t 2004;
35: 125-6).
1 Coxibe, Abschluss des europaeischen Bewertungsverfahrens vom 30.
April 2004; zu finden unter
http://www.bfarm.de/de/Arzneimittel/am_sicher/am_sicher_akt/index.php?more=coxibe.php
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blitz-a-t 2. November 2004
FIRMENINTERNE DOKUMENTE ZEIGEN:
MSD* KANNTE KARDIOVASKULAERES SCHAEDIGUNGSPOTENZIAL VON ROFECOXIB
(VIOXX) FRUEHZEITIG
"Unerwartet" seien die vermehrten Herzinfarkte und Schlaganfaelle unter
Rofecoxib (VIOXX) in der APPROVe-Studie (a-t 2004; 35: 116) gekommen,
betont der Vorstand des US-Konzerns Merck & Co., Raymond GILMARTIN,
anlaesslich der Marktruecknahme des Cox-2-Hemmers im September 2004 (1).
Dem Vorwurf der Datenunterdrueckung tritt die Firma hierzulande mit
ganzseitigen Anzeigen entgegen: "MSD hat Behoerden, Aerzte und Apotheker
im Interesse des Patientenwohls stets umgehend informiert."(2) Und
nicht nur das: Die Firma verklagt Zeitungs- und Fernsehredaktionen, die
ueber die Datenmanipulationen in Verbindung mit Rofecoxib oder ueber
Hochrechnungen zur Zahl der moeglicherweise Geschaedigten berichtet
haben.
Firmeninterne E-Mails, die das Wall Street Journal am 1. November
veroeffentlicht, bestaetigen jedoch jetzt die schlimmsten
Befuerchtungen. Sie dokumentieren nicht nur, dass die Firma bereits in
der zweiten Haelfte der 90er Jahre ein kardiovaskulaeres
Schaedigungspotenzial ihres Cox-2-Hemmers befuerchtet hat, sondern geben
auch einen erschreckenden Einblick in die Desinformationsstrategien zur
Zerstreuung dieses Verdachts in der Oeffentlichkeit. Bereits ab 1996
wird diskutiert, wie Studien angelegt sein muessten, damit das
kardiovaskulaere Risiko von Rofecoxib moeglichst verborgen bleibt. Die
heutige Vizepraesidentin fuer klinische Forschung sieht Merck & Co. im
Februar 1997 in einer ausweglosen Situation ("No-win situation"). Werde
Rofecoxib mit Azetylsalizylsaeure (ASS; ASPIRIN u.a.) kombiniert, koenne
das Risiko gastrointestinaler Probleme steigen. Ohne ASS bereite "die
Moeglichkeit erhoehter kardiovaskulaerer Ereignisse grosse Sorge". Ihr
Loesungsvorschlag: Patienten mit kardiovaskulaeren Problemen sollten von
den Studien ausgeschlossen werden, damit die Rate kardiovaskulaerer
Probleme zwischen Rofecoxib-Patienten und den anderen "nicht auffaellt".
"Wenn die Patienten in der VIOXX-Gruppe nicht zusaetzlich
Azetylsalizylsaeure erhalten, wird es mehr thrombotische Ereignisse
geben" und das Coxib abstuerzen ("kill the drug") (1). Als drei Jahre
spaeter die ersten vorlaeufigen Ergebnisse der VIGOR-Studie mit dem
deutlichen Hinweis auf Zunahme von Herzinfarkten unter Rofecoxib im
Vergleich mit Naproxen (PROXEN u.a.) bekannt werden, kommentiert der
Forschungsleiter der Firma intern: Die kardiovaskulaeren Ereignisse
"sind eindeutig vorhanden" und "wie wir befuerchtet haben, sind sie
durch den Wirkmechanismus bedingt" (1).
Offiziell leugnet Merck & Co. alle Hinweise auf die kardiovaskulaere
Schaedlichkeit des Cox-2-Hemmers. Das Wall Street Journal zitiert aus
einem 16-seitigen Trainingsdokument ("DODGE" (Trick, Winkelzug)), mit
dem offenbar Pharmareferenten geschult werden, Negativargumenten zu
Rofecoxib zu begegnen (1). Forscher und Referenten werden
eingeschuechtert nach dem Motto: "Sie achten besser darauf, was Sie
sagen" (1). In der Publikation der VIGOR-Studie (3), an der
Firmenmitarbeiter beteiligt sind, werden die vollstaendigen Risikodaten
unterdrueckt (a-t 2001; 32: 87-8). Den Herausgeber einer unabhaengigen
spanischen Arzneimittelzeitschrift verklagt Merck & Co., weil dieser die
"so genannten Vorteile von Celecoxib und Rofecoxib" als
"wissenschaftlichen Betrug" bezeichnet hat (a-t 2004; 35: 16). Das
Verfahren verliert die Firma. Der Versuch, Autoren einer
Fallkontrollstudie, die auf ein erhoehtes Herzinfarktrisiko unter
Rofecoxib hinweist, zur Unterdrueckung eines Teils ihrer Negativdaten zu
bewegen, scheitert ebenfalls (1).
In Presseverlautbarungen, Artikeln medizinischer Fachzeitschriften und
auf Symposien wird die Botschaft verbreitet, dass nicht Rofecoxib
kardiotoxisch, sondern das Vergleichs-NSAR in VIGOR, Naproxen,
kardioprotektiv sei (4). Dies, obgleich offenbar auch firmenintern
erkannt wurde (1), dass selbst unter der unbewiesenen Annahme einer dem
ASS vergleichbaren thrombozytenaggregationshemmenden Wirksamkeit von
Naproxen die Differenz zu Rofecoxib - Verfuenffachung des
Herzinfarktrisikos, Verdoppelung von kardiovaskulaeren Ereignissen
insgesamt - nicht erklaerbar ist (5). Bis August 2004 haelt die Firma an
dieser Anfang 2000 entwickelten Argumentation fest, die nach den
Veroeffentlichungen des Wall Street Journals endgueltig zusammenbricht.
Die jetzt bekannt gewordene interne Diskussion duerfte die Position der
Firma in Schadenersatzklagen drastisch verschlechtern.
1 WILDE MATHEWS, A., MARTINEZ, B.: Wall Street
Journal online vom 1.
Nov. 2004
2 MSD: "Wir leben Verantwortung", Anzeige in Sueddt. Ztg. vom 22. Okt.
2004
3 BOMBARDIER, C. et al.: New Engl. J. Med. 2000; 343: 1520-8
4 TOPOL, E.J.: New Engl. J. Med. 2004; 351: 1707-9
5 WRIGHT, J. M.: Can. Med. Ass. J. 2002; 167: 1131-7
* MSD ist die deutsche Tochter des US-amerikanischen Konzerns Merck &
Co.
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blitz-a-t 10. September 2004
CAVE: UMSATZBETEILIGUNGEN BEI ARZNEIVERORDNUNGEN -
VERSTOSS GEGEN DIE BERUFSORDNUNG DER AERZTINNEN UND AERZTE
In der September-Ausgabe des arznei-telegramm, die heute in den Versand
gegangen ist, berichtet ein Kollege ueber eine "schamlose Form der
Korruption" (a-t 2004; 35: 97): Eine Pharmareferentin von
ct-Arzneimittel hat ihm eine Umsatzbeteiligung von 5% bis 7,5% fuer
verordnete Praeparate der Firma angeboten - ohne Vertrag, aber mit
Verordnungsnachweis ueber Ausdrucke der Praxissoftware.
Dies beschreibt offensichtlich die Spitze eines Eisberges. So schliesst
auch die Firma Sandoz, die Generika-Sparte der Novartis GmbH, -
schriftliche - Vertraege ueber eine prozentuale "Provision" auf dem
"berechneten Umsatzzuwachs ... im Vertragsgebiet" ab, verbunden mit
Knebelparagraphen und Geheimhaltungsklausel (Mustervertrag der Sandoz
Pharmaceuticals GmbH mit Gesundheitsnetz, 2. Mai 2004).*
Ueber solche Abmachungen versuchen Pharmafirmen, Aerzte an sich zu
binden und sich Marktanteile zu sichern. Und die Methode zeigt Wirkung.
Dem arznei-telegramm liegt das Anschreiben eines Aerztevereins vom 15.
August 2004 vor, dem nach eigenen Angaben 90% der niedergelassenen
Aerzte der Region angehoeren. Der Verein empfiehlt allen Apotheken
dieses Bereiches, sich mit "Generica Sandoz" zu bevorraten, "um immer
lieferfaehig zu sein".
Der Wettbewerb unter den mehr als 100 Anbietern von Generika wird auf
diese Weise ausgehebelt - zum Schaden der Patienten, der
Versichertengemeinschaft und moeglicherweise auch der Aerzte, die von
solchen Regelungen zu profitieren glauben. Firmen wie Sandoz und ct
verleiten Verordner dazu, gegen die Berufsordnung zu verstossen. §34 der
(Muster-) Berufsordnung regelt, dass es "Aerztinnen und Aerzten ...
nicht gestattet (ist), fuer die Verordnung von Arznei-, Heil- und
Hilfsmitteln oder Medizinprodukten eine Verguetung oder andere Vorteile
fuer sich oder Dritte zu fordern, sich oder Dritten versprechen zu
lassen oder anzunehmen".
Nicht nur Interventionen der zuständigen Aerztekammern, sondern auch
der Staatanwaltschaft erscheinen möglich. Ob Straftatbestände erfüllt
sind, wird derzeit geprüft.
Redaktion arznei-telegramm
* Wir bitten unsere Leser um Mitteilung weiterer entsprechender
Angebote von Firmen.
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